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Urheber-/Nutzungsrechte

Wenn Sie Software in Auftrag geben, ist es sinnvoll, wenn Sie über das Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte Bescheid wissen. Den Laien darüber aufzuklären, ist Zweck dieses Artikels.

Schutzgegenstand

Geschützt ist zunächst einmal die kreative Leistung des Software-Entwicklers. Diese wird in Form des Quelltextes festgehalten oder in kompilierter Form als Objektode (Quelltext, der in binären Maschinencode übersetzt wurde).

Nicht geschützt ist dagegen alles, was den Anspruch einer kreativen Leistung nicht erfüllt (zu geringe Schöpfungshöhe). Dazu gehört:

die Funktionalität der Software

die Programmiersprache

das Dateiformat

Einfache Programm-Routinen oder Algorithmen, die einen bestimmten Komplexitätsgrad nicht überschreiten. (HTML kann beispielsweise nicht geschützt werden.)

Der Urheber

Als Urheber gilt in Deutschland der Schöpfer des Werks, also der Software Entwickler und nicht der Auftraggeber oder Arbeitgeber. Die Urheberschaft ist in Deutschland generell nicht übertragbar. Dem widersprechende Vereinbarungen sind in ungültig.

Sämtliche Rechte gehören zunächst einmal dem Urheber des Werks. Um nicht in Konflikt mit dem Auftraggeber zu geraten, der ja für das Werk zahlt, kann der Urheber bestimmte Nutzungsrechte auf ihn übertragen. Dazu müssen die Rechte definiert sein.

Das ausschließliche Nutzungsrecht

Mit dem Urheberrecht erhält der Software Entwickler das ausschließliche Nutzungsrecht. Das beinhaltet die Erlaubnis, frei über seine Software zu verfügen. Das heißt im Klartext, er darf es beliebig verwerten (z.B. vervielfältigen, verändern oder verbreiten). Wenn er möchte, kann er auch die Nutzung seiner Software verbieten (Abwehrrecht).

Er darf außerdem bestimmten, wer sein Werk unter welchen Bedingungen benutzen darf. Dazu kann er individuelle Lizenzen erstellen und vergeben, in denen beschrieben ist, unter welchen Konditionen die Software eingesetzt werden darf. Solch eine Lizenz beinhaltet das einfache Nutzungsrecht.

Es steht ihm aber auch frei, die ausschließlichen Nutzungsrechte auf andere Personen oder Firmen, wie z.B. seinen Auftraggeber, zu übertragen, so dass dieser anstelle des Urhebers Lizenzen vergeben darf. Dabei sollte beachtet werden, dass es zu komplexen Rechtsbeziehungen kommen kann, wenn das ausschließliche Nutzungsrecht auf mehrere Parteien verteilt wird (nicht zu empfehlen).

In manchen Fällen kann der Urheber das ausschließliche Nutzungsrecht übertragen, behält sich aber das Recht vor, die Software selbst einzusetzen. In diesem Fall spricht man von einer eingeschränkten Ausschließlichkeit. In der Praxis kommt das allerdings selten vor.

Zu beachten ist, dass der Entwickler die Urheberschaft auch dann behält, wenn er die ausschließlichen Nutzungsrechte übertragen hat. So hat er beispielsweise ein urheberrechtliches Mitspracherecht, wenn es darum geht, auf die Auswahl der Nutzer Einfluss zu nehmen. Das bedeutet im Klartext, dass der Urheber das ausschließliche Nutzungsrecht rechtlich noch besitzt, aber bewusst auf die Ausübung verzichtet. Damit der Auftraggeber dadurch keinen Schaden nimmt, ist der Urheber durch den Grundsatz von Treu und Glauben gebunden (§ 242 BGB).

Das einfache Nutzungsrecht

Nutzungsrechte werden in der Regel durch schuldrechtliche Vereinbarungen zwischen dem Anwender und dem Urheber übertragen (gekauft). Besitzt jemand solch ein Recht darf er es nach deutschem Recht jederzeit unter der Bedingung weiterverkaufen, dass die Lizenz-Bestimmungen nicht verletzt werden.

Das einfache Nutzungsrecht (umgangssprachlich auch Software-Lizenz genannt) gestattet es dem Benutzer, die Software auf die ihm erlaubte Art zu nutzen (Lizenz-Bestimmungen).

In solch einer Lizenz sind in der Regel die räumlichen und zeitlichen Rahmenbedingungen definiert, in denen die Software verwendet werden darf. Es können aber auch inhaltliche Einschränkungen enthalten sein, so dass beispielsweise der Verwendungszweck sichergestellt werden kann.

Zu beachten ist, dass eine Software nur lauffähig ist, wenn es in den Speicher eines Computers kopiert wird. Das bedeutet, dass schon für die Ausführung eines Programms das dazu gehörende Nutzungsrecht vorhanden sein muss. Das unterscheidet Software von anderen Medien.

vermögensrechtlichen Befugnisse

Wenn es um die Frage geht, wer an der Software verdienen darf, muss man die Beziehung zwischen dem Software Entwickler und dem Auftraggeber kennen.

Handelt es sich um ein reguläres Angestelltenverhältnis, sollte geklärt sein, ob die Software im Rahmen der Angestellten-Tätigkeit entstanden ist, oder parallel dazu. Wenn die Tätigkeit Programmieren durch einen entsprechenden Arbeitsvertrag nachgewiesen werden kann (z.B. durch die Anstellung als Programmierer oder Software Engineer), gehören die ausschließlichen Nutzungsrechte und damit auch die vermögensrechtlichen Befugnisse automatisch dem Arbeitgeber (§ 69b UrhG). Ist die Tätigkeit der Software Entwicklung im Arbeitsvertrag nicht explizit definiert, ist der Arbeitgeber gut beraten, wenn er das schriftlich mit seinem Arbeitnehmer klärt.

Handelt es sich um ein Dienstverhältnis zwischen einem Freelancer und einem Auftraggeber (Werkvertrag), so sollte der Auftraggeber wissen, dass er ohne weitere Vereinbarungen nur ein einfaches Nutzungsrecht erhält. Er besitzt jedoch die vermögensrechtlichen Befugnisse. In diesem Fall ist der Auftraggeber gut beraten, wenn er dafür sorgt, dass er zusätzlich zum einfachen auch das ausschließliche Nutzungsrecht erwirbt. Denn sonst kann er seine vermögensrechtlichen Befugnisse möglicherweise nicht durchsetzen.

Klausel für Übertragung der Nutzungsrechte

Kann die Frage nach den Nutzungsrechten nicht eindeutig geklärt werden, ist es sinnvoll, wenn beide Parteien eine Nutzungsrechte-Vereinbarung unterzeichnen. Der Wortlaut lautet im üblichen Juristen-Deutsch wie folgt:

Der Auftragnehmer räumt dem Auftraggeber jeweils zum Zeitpunkt der Erstellung

das (nicht) ausschließliche,

örtlich unbeschränkte,

in jeder beliebigen Hard- und Softwareumgebung ausübbare,

übertragbare,

dauerhafte, unwiderrufliche und unkündbare Recht ein, die im Rahmen des Auftrags erstellte Software im Original oder in abgeänderter, übersetzter, bearbeiteter oder umgestalteter Form

zu nutzen, das heißt insbesondere, diese dauerhaft oder temporär zu speichern und zu laden, sie anzuzeigen und ablaufen zu lassen, auch soweit hierfür Vervielfältigungen notwendig werden,

abzuändern, zu übersetzen, zu bearbeiten oder auf anderem Wege umzugestalten,

für auf einem beliebigen bekannten Medium oder in anderer Weise zu speichern, zu vervielfältigen, auszustellen, zu veröffentlichen, in körperlicher oder unkörperlicher Form zu verbreiten, insbesondere nichtöffentlich und mit Ausnahme des Quellcodes öffentlich wiederzugeben, auch durch Bild-, Ton- und sonstige Informationsträger,

in Datenbanken, Datennetzen und Online-Diensten einzusetzen, einschließlich des Rechts, die Software, nicht jedoch den Quellcode, den Nutzern der vorgenannten Datenbanken, Netze und Online-Dienste zur Recherche und zum Abruf mittels vom Auftraggeber gewählter Tools bzw. zum nicht gewerblichen Herunterladen zur Verfügung zu stellen,

durch Dritte nutzen oder für den Auftraggeber betreiben zu lassen,

nicht nur für eigene Zwecke zu nutzen, sondern auch zur Erbringung von Leistungen an Dritte einzusetzen,

zu verbreiten.

Stolperfalle "World Wide Web"

Heutzutage spielt die Vernetzung bei der Realisierung von Software-Projekten eine zentrale Rolle. Das hat zur Folge, dass die zu lizenzierende Software gar nicht auf dem Computer des Nutzers läuft, sondern auf einem Server, der irgendwo auf der Welt im Internet steht. Da stellt sich naturgemäß die Frage, welche Gesetzgebung denn nun Anwendung findet, die deutsche, oder die des jeweiligen Landes, in dem der Server steht?

Aus strafrechtlicher Sicht gilt in den meisten Ländern die Gesetzgebung des Ortes, an dem die Straftat ausgeübt wurde. Das ist auch in Deutschland so (§9 StGB). Bei Internet-Delikten ist diese Definition allerdings ein Problem, weil nicht immer genau definiert werden kann, wo die Tat am Ende wirklich begangen wurde. Denn der Täter kann sich zum Zeitpunkt der Tat in einem anderen Land befinden, als der Ort, an dem das Verbrechen ausgeführt wurde. Ausserdem muss geklärt sein, wer denn nun die Tat ausgeführt hat, der Täter, die Software oder der Programmierer der Software?

Um diese Frage zu klären, unterteilt man die Software in zwei verschiedene Rubriken, nämlich in Content-Provider und Service-Provider:

Content-Providern sind Programme, die lediglich den Zweck haben Inhalte zu verbreiten (z.B. Content Management Systeme). Diese Inhalte entstehen nicht, wo der Server steht, sondern an dem Ort, wo die Redakteure diese Inhalte formuliert haben.

Service-Provider sind Internet-Applikationen, die selbstständig Entscheidungen treffen oder bestimmte Dienste ausüben, wie z.B. die Ausführung von Berechnungen, oder die Erfassung von Daten. Steht der Server nicht in Deutschland, sondern im Ausland, so gelten hier die Gesetze des Auslandes.

Läuft ein Service-Provider (z.B. eine Webanwendung) in den USA, muss man wissen, dass dort das Urheberrecht nicht dem Schöpfer zugesprochen wird, sondern demjenigen, der die vermögensrechtlichen Befugnisse besitzt (Copyright). Und das kann dazu führen, dass die Lizenzen keine Gültigkeit mehr haben, weil sie in diesem Land schlicht von der verkehrten Instanz erstellt worden sind.

Die wichtigsten Implikationen entstehen im Kontext des Datenschutzes. Denn während die Daten auf deutschen Servern geschützt sind, spielt der Datenschutz in Amerika eine eher untergeordnete Rolle. Das Problem dabei ist, dass sie als Deutsche Firma Ihren Deutschen Kunden jene Sorgfalt schulden, die in Deutschland gesetzlich vorgesehen ist. Diese Sorgfalt können Sie nicht gewährleisten, wenn die Daten der Kunden auf amerikanischen Servern gespeichert werden. Die Folge ist, dass Sie von Ihren Kunden abgemahnt werden können. Und das kann teuer werden.

Stolperfalle "Open Source"

Vor nicht allzu langer Zeit besaßen Computer noch nicht soviel Rechenleistung wie heute. Deshalb waren die Programmierer gezwungen, sparsam mit den verfügbaren Ressourcen umzugehen. Taten sie das nicht, konnte es sein, dass das Programm nicht ausgeführt werden konnte. Und ein Programm, das nicht läuft, verkauft sich schlecht. Um sicher zu sein, dass das nicht geschieht, kümmerten sich die meisten Programmierer selbst um die benötigten Schnittstellen und Funktionen.

Heute ist das anders. Die Computer sind nicht nur leistungsfähiger geworden, sie verfügen dazu noch über einen wesentlich größeren Leistungsumfang. Die Folge ist, dass sich die Programmierer nicht mehr selbst um die einzelnen Schnittstellen und Funktionen kümmern können. Denn sonst würde die Entwicklung zu aufwändig und die Software zu teuer werden. Stattdessen sind sie gezwungen, auf bestehende Programm-Bibliotheken zurückzugreifen, die von anderen Software Entwicklern erstellt worden sind.

Der Einsatz von Bibliotheken hat sich bewährt, beinhaltet aber einen kleinen Haken. Denn für diese Bibliotheken besitzt der Programmierer die Urheberrechte nicht. Damit er sie trotzdem für sein eigenes Programm verwenden darf, benötigt er die Nutzungsrechte von dem Software Entwickler, der diese Bibliothek erstellt hat. Glücklicherweise werden die meisten Bibliotheken als Open Source angeboten, möchte man meinen. Aber ganz so einfach ist das nicht. Denn bei einigen Open Source Lizenzen handelt es sich um sogenannte "virale Lizenzen". Schauen wir uns dazu ein Beispiel an.

Die bekannteste Open Source Lizenz ist sicherlich die GNU General Public License (kurz GPL). Diese gibt es inzwischen in drei Versionen, wobei die GPL 2 am meisten verbreitet ist. Eine Software, die unter dieser Lizenz steht, darf unter folgenden Bedingungen eingesetzt werden:

Das Programm darf ohne jede Einschränkung für jeden Zweck eingesetzt werden. Die kommerzielle Nutzung ist ausdrücklich erlaubt.

Kopien des Programms dürfen sowohl kostenlos als auch gegen Entgelt verteilt werden. Lizenzgebühren sind ausdrücklich nicht erlaubt.

Das Programm darf beliebig analysiert und verändert werden, sofern die geänderte Version wiederum unter die GPL-Lizenz gestellt wird.

Wenn ein Open Source Programm verwendet wird, muss der Benutzer unter Angabe der Bezugsquelle und des Autors ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass es bei der Software um Open Source handelt.

Dem Empfänger des Programms müssen dieselben Freiheiten eingeräumt werden. Das bedeutet, der Empfänger hat ebenfalls das Recht, das Programm kommerziell oder kostenlos zu verbreiten.

Wenn nun ein Software Entwickler eine Programm-Bibliothek einsetzt, die unter der GPL-Lizenz steht, dann wird dadurch die GPL-Lizenz der Bibliothek geerbt. Man könnte auch sagen, die eigene Software wird von der viralen Lizenz "angesteckt" und ist jetzt auch "Open Source". Das bedeutet, die eigene Software darf nur eingesetzt werden, wenn sich der Nutzer an die oben aufgelisteten Bedingungen hält. Tut er das nicht, verfällt auch das einfache Nutzungsrecht und der Nutzer kann jederzeit abgemahnt werden.

Für den Software Entwickler führt das naturgemäß zu einem Problem. Denn die Nutzungs­bedingungen sehen vor, dass die Software von jedermann eingesetzt, weitergegeben, analysiert oder verändert werden. Und das alles vollkommen unentgeltlich. Wenn also geplant ist, die eigene Software wirtschaftlich zu verwerten, dann ist man gezwungen, auf den Einsatz von Bibliotheken mit ansteckenden Lizenzen verzichten.

Stolperfalle "Laufzeitumgebung"

Applikationen, die über das Internet ausgeführt werden, müssen naturgemäß auch im Internet verfügbar sein. Deshalb müssen die dazu gehörenden Programme auf Computer gespeichert werden, die 24 Stunden lang jeden Tag mit dem Internet verbunden sind.

Weil der Betrieb von Webservern mit Kosten verbunden ist, wird die Hardware normalerweise mit anderen Applikationen und Internet-Auftritten geteilt. Damit sich diese nicht gegenseitig stören, werden sie im Speicher des Webservers in einer Laufzeitumgebung ausgeführt, die keinen direkten Zugriff auf die physikalische Infrastruktur des Servers erlaubt.

Aus diesem Grund werden für die Realisierung von Internet-Applikationen in der Regel nur Scriptsprachen erlaubt (Sprachen, die von einem anderen Programm interpretiert werden). Nicht erlaubt sind dagegen Compilersprachen, weil diese einen direkten Zugriff auf die Hardware voraussetzen (Sprachen, die vor Ausführung in Maschinencode übersetzt werden).

Dieser Umstand setzt voraus, dass zwischen der Internet-Applikation und der Hardware weitere Programme laufen, die über eigene Lizenz-Bestimmungen verfügen. Manche davon sind ebenfalls Open Source. Wenn man also mit einer Internet-Applikation Geld verdienen möchte, ist es wichtig, dass man die dazu gehörenden Nutzungsrechte kennt. Schauen wir uns dazu ein Beispiel an:

Beispiel: Software-Projekte, die mit PHP realisiert werden

Gemäß den aktuellen Statistiken von W3techs.com dominiert auf den Webservern weltweit die Scriptsprache PHP mit 82%, gefolgt von ASP.NET mit 17% und Java mit 3% (Stand Dezember 2014). Alle anderen Technologien liegen derzeit unter einem Prozent (ColdFusion, Ruby, Perl, Python, Node.js, etc.). Nachfolgend werde ich kurz die Lizenzen auflisten, die für die Erstellung und den Betrieb einer PHP-Applikation benötigt werden:

Als einzig sicheres Betriebssystem für die Ausführung von PHP-Applikationen gilt nach wie vor Linux. Dieses ist Open Source und steht unter der GPL2 Lizenz (mit Copyleft). Weil die Funktion eines Betriebssystems klar von der Software unterschieden werden kann, kann man bei der Durchführung der eigenen Software nicht wirklich von einer Änderung oder Erweiterung des Betriebssystems sprechen. Deshalb spielt die Lizenzierung des Betriebssystems für die eigene Software eine untergeordnete Rolle.

Der meistverbreitete Webserver für PHP-Applikationen ist Apache, welcher unter der gleichnamigen Die Scriptsprache PHP steht unter der gleichnamigen PHP-Lizenz. Diese Lizenz ist Open Source, enthält ebenfalls keine Copyleft-Klausel.

Für den Webserver oder die Scriptsprache werden oft zusätzliche Bibliotheken verwendet wie cURL (MIT-Lizenz), GD Library (BSD-ähnliche Lizenz), OpenSSL (BSD-Lizenz-ähnlich), PCRE (BSD-Lizenz) und viele mehr. Hier muss definiert werden, ab wann man von einer Erweiterung oder Änderung der Software sprechen kann.

Eine bei PHP-Entwicklern beliebte Bibliothek ist PEAR (PHP-Lizenz) oder CakePHP (MIT-Lizenz). Sehr beliebt ist auch das Zend Framework (BSD-Lizenz). Auch hier muss abgeklärt werden, ab wann diese Lizenzen für das eigene Projekt relevant sind.

Internet-Applikationen speichern ihre Daten meist in Datenbanken. Hier hat sich das relationale Datenbank-Format MySQL durchgesetzt, welche sowohl eine kommerzielle, als auch eine GPL2 Lizenz anbietet. Zu beachten ist, dass die meisten Hosting-Unternehmen aus Kostengründen die Open Source Variante einsetzen. Nach Meinung vieler Experten greift hier die Copyleft-Klausel.

Alternativ zu MySQL können weitere Datenbank-Formate eingesetzt werden, wie PostgreSQL (BSD ohne Copyleft), Ingres (GPL2 Lizenz mit Copyleft) oder Firebird (Mozilla Lizenz).

Zur Administration der Datenbank-Inhalte wird oft die Web-Applikation phpMyAdmin eingesetzt. Dieses Werkzeug steht ebenfalls unter der GPL2 Lizenz. Hier haben wir es jedoch nur mit einem Werkzeug zu tun, das mit dem eigenen Projekt keine Verbindung hat.

Zur Realisierung von Web-Applikationen werden die im Internet üblichen Technologien eingesetzt, wie z.B. HTML5, CSS3 oder Javascript. Hierbei handelt es sich um Standards, die keine besondere Lizenz benötigen. Anders ist es jedoch, wenn Bibliotheken eingesetzt werden, wie Bootstrap (Apache 2 Lizenz), jQuery (MIT-Lizenz) oder MooTools (MIT-Lizenz). Das Problem ist, dass jQuery Applikationen im Quelltext von Internetseiten einsehbar sind. Hier muss sich der Auftraggeber bewusst sein, dass solche Applikationen generell nicht vor Missbrauch geschützt werden können.

Da sich die Anforderungen an andere Scriptsprachen inhaltlich kaum unterscheiden, kann der Umgang mit anderen Technologien als ebenso komplex angesehen werden. Noch komplexer stellt sich die Sachlage dar, wenn Smartphone-Apps realisiert werden sollen, welche die Webapplikation als Webservice nutzen. Weil in solchen Fällen eine gegenseitige funktionelle Abhängigkeit besteht, muss die Frage gestellt werden, ob sich die Lizenzierungs-Modelle addieren, oder nicht. Denn wenn das so ist, dann multipliziert sich die Anzahl der Bibliotheken mit der Anzahl der verwendeten Betriebssysteme.

Schaut man sich die vielen Lizenzen im nationalen und im internationalen Kontext an, entsteht eine rechtliche Grauzone, in der nicht nur die Frage nach dem ausschließlichen Nutzungsrecht unbeantwortet bleibt, sondern auch die Frage nach der Legalität der realisierten Software im Allgemeinen. Kommt es diesbezüglich zu einer rechtlichen Auseinandersetzung, ist zu erwarten, dass der Anwalt mit dem größeren Einkommen Recht behalten wird.

Fazit

Bei der Realisierung von regulären Internet-Auftritten spielt das ausschließliche Nutzungsrecht naturgemäß eine untergeordnete Rolle. Denn HTML-Inhalte lassen sich nicht schützen. Aber hier steht ja auch nicht die Technologie im Vordergrund, sondern der Inhalt. Deshalb genügt für die eingesetzte Software das einfache Nutzungsrecht. Open Source Systeme wie Wordpress, Contao, Typo3 oder Joomla können bedenkenlos eingesetzt werden.

Anders verhält es sich, wenn es sich um komplexere Anwendungen handelt, wie z.B. eine Datenbank-Anbindung und dergleichen. Hier steckt das Wissen nicht im Inhalt, sondern in der Software. Das Problem hierbei ist, dass der Auftraggeber nie sicher sein kann, ob er am Ende tatsächlich das ausschließliche Nutzungsrecht der Applikation erhält, oder nicht. Er kann aber sicher stellen, dass diese Frage zwischen ihm und dem Software Entwickler geklärt ist. Und her kann verhindern, dass mit der Software Missbrauch betrieben wird, indem er dafür sorgt, dass der Quelltext gar nicht erst in die Öffentlichkeit gelangt.

Fassen wir die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, ergibt sich folgende Liste von Maßnahmen:

Copyleft-Klausel

Für die Entwicklung der Applikation sollten ausschließlich Technologien und Bibliotheken installiert sein, die keine Copyleft-Lizenzen beinhalten. Wenn nicht auf Open Source Bibliotheken verzichtet werden kann (wie in den meisten Fällen), sollten möglichst Lizenzen mit abgeschwächter Copyleft-Klausen eingesetzt werden (z.B. LGPL. Da sich viele Programmierer gar nicht um die Lizenzen ihrer Bibliotheken kümmern, ist der Auftraggeber gut beraten, wenn er sich diesbezüglich mit dem Programmierer bespricht.

Geheimhaltungserklärung

Sollten die AGB's des Software Entwicklers keine Geheimhaltungserklärung beinhalten, macht es Sinn, wenn der Auftraggeber solch eine Erklärung unterschreiben lässt.

Nutzungsrechtevereinbarung

Ist die Frage nach dem Nutzungsrecht nicht geklärt, sollte dazu noch eine Nutzungsrechte-Vereinbarung unterzeichnet werden, welche dem Auftraggeber das ausschließliche Nutzungsrecht überlässt.

Zugang auf Quelltext kontrollieren

Die Applikation und die Datenbank sollte auf einem Server ausgeführt werden, auf den nur ausgewählte Personen Zugang haben (dedizierter Server).

geeigneten Webserver wählen

Damit es im Falle einer Rechtsverletzung nicht zu Unklarheiten kommen kann, sollte der Server in jedem Fall in Deutschland stehen. Dasselbe gilt natürlich auch für die Datenbank.

Clientlogik auf Server auslagern

Der Entwickler sollte bei der Entwicklung der Applikation darauf achten, dass die Applikationslogik auf dem Server bleibt und nicht auf den Client (Browser) ausgelagert wird (Cookie-Handling, jQuery-Logik, Ajax, etc.). Das erschwert der Konkurrenz die Einsicht in die Funktionsweise der Applikation. Es verhindert auch die Entstehung der Frage, an welcher Stelle die Applikation am Ende ausgeführt wird.

Verschlüsselung des Quelltextes

PHP-Scripte lassen sich nicht verschlüsseln, aber die Lesbarkeit des Quelltextes lässt sich erschweren (obfuscate). In der Praxis ist der Nutzen sehr begrenzt, weil es viele Tools gibt, womit die Verschleierung wieder rückgängig gemacht werden kann. Deshalb lohnt sich diese Vorgehensweise im Grunde nur an Stellen, wo eine Volltextsuche in den Scripten verhindert werden soll.

Dezember 2014/jw