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Hommage an das Internet

die Revolution

Mit Hilfe von Bücher können neugierige Menschen auf das Wissen anderer Menschen zugreifen. Doch das Drucken von Büchern ist aufwändig. Deshalb stehen Leser und Autoren in Abhängigkeit zu irgendwelchen Verlagen, deren Pro­gramme von unbekannten Personen mit unbekannten Motiven zusammen­gestellt werden. Niemand weiß, welche unbezahl­baren Schätze für immer verloren gegangen sind, nur weil sie nicht genügend Umsatz versprochen haben.

Bücher sind toll, keine Frage, aber sie haben so ihre Eigenheiten. Sie können beispielsweise vergriffen sein, schlicht zu teuer oder das Amazon-Budget ist für diesen Monat aufge­braucht. Bücher liegen schwer in der Tasche und sie brauchen viel Platz im Bücherregal, wo sie zum Leidwesen meiner Frau Staub ansetzen. In meinem Fall stapeln sich die Bücher bereits auf dem Dachboden. Bedaurlicherweise ist die Papierform in Deutschland immer noch das bevorzugte Format. Doch das wird sich bald ändern, ganz sicher, angekündigt wurde das papierlose Zeitalter ja schon oft.

Dazu kommt der Umstand, dass man vorher nicht weiß, ob der gedruckte Inhalt tatsächlich jene Informationen beinhalten wird, die man sucht. Da es keine Volltextsuche gibt, muss man es von vorn bis hinten durchlesen, was eine Menge Zeit in Anspruch nimmt. Ich weiß nicht, wieviel Zeit ich auf diese Weise schon verplempert habe.

Doch das alles hört sich furchtbarer an, als es ist. Denn seit rund 30 Jahren gibt es eine Alternative, die mein Leben so nachhaltig verändert hat, dass ich es kurzerhand zu meinem Beruf erklärt habe. Diese Alternative hat die Welt bereits an vielen Stellen verändert und wird sie in den nächsten Jahren noch viel mehr verändern. Sie ahnen es sicher, die Rede ist vom Internet.

das Internet heute

die Digitalisierung der Welt

Die Einführung des Internets führte zu einem Nebeneffekt, der fast immer unterschätzt wird. Die Rede ist von der Digitalisierung von Inhalten. Denn im Internet liegen sämtliche Daten in digitaler Form vor. Das bedeutet, man ist gezwungen, die Information vom physischen Informations­träger zu trennen. Dadurch sind Dinge möglich, die vorher nicht möglich waren. Man kann beispiels­weise Daten kopieren, ohne dass die Qualität darunter leidet. Und das unendlich oft, innerhalb von Sekunden. Haben Sie darüber schon mal nachgedacht?

das liebe Copyright

Nur das Copyright hindert die Menschen daran, das mit allen verfügbaren Inhalten zu tun. Das ist nicht schön, aber sinnvoll. Denn wenn die Autoren kein Geld verdienen, werden diese keine hoch­wertigen Texte mehr verfassen, und das wäre ein Verlust. Das bedeutet, es ist gut, wenn ihre Rechte geschützt werden.

Noch stehen viele Inhalte ausschließlich in gedruckter Form zur Verfügung. Doch Google und viele andere Firmen sind dabei, das zu ändern. Mit jedem Jahr rückt das papierlose Zeitalter ein Stück näher und der Wald freut sich.

rechtsfreier Raum

Aktuell hinkt die Legislative hinterher. Aber nicht mehr lange, dann wird es auch im Internet keinen rechtsfreien Raum mehr geben. Denn immer mehr Menschen verdienen Ihr Geld im Internet. Und wo Geld verdient wird, tummeln sich die Anwälte. Das war noch nie anders.

mein Freund, die Volltextsuche

Eine weitere Errungenschaft wird ebenfalls oft unterschätzt, nämlich die Volltext­suche. Die sorgt dafür, dass ich in einem längeren Text innerhalb von Sekunden zu jenen Stellen navigieren kann, die sich mit dem gewünschten Thema beschäftigen. Auf diese Weise verkürzt sich die Recherche auf einen Bruchteil jener Zeit, die man sonst benötigen würde. Wer die Zeit vor dem Internet erlebt hat, weiß, wie mühselig es einst war, Informationen zu beschaffen. Eine Recherche dauerte oft Wochen, wenn nicht gar Monate, das mag man sich heute kaum noch vorstellen!

eine vernetzte Welt

Doch all das ist nichts im Vergleich zu den Vorteilen, die mir die Vernetzung bringt. Sie erspart mir nicht nur den Weg zum nächsten Buchladen oder Bibliothek, sie ermöglicht mir darüber hinaus den Zugriff auf Millionen Webserver auf der ganzen Welt in beinhahe jeder gewünschten Sprache. Und sollte ich einmal etwas nicht verstehen, gibt es kostenlose Übersetzungsdienste. So wird aus der Welt ein Dorf und umgekehrt. Ein Argument für den Weltfrieden.

das Chaos

Dieser Vorteil ist gleichzeitig auch ein Nachteil. Denn das Internet ist nicht wie eine Bibliothek oder ein Bücherladen in Themen­bereiche strukturiert, sondern vielmehr wie eine bunte Litfaß­säule, wo man die Plakate dorthin geklebt werden, wo gerade Platz ist. Um sich in dieser Welt zurechtzufinden müssen die Nutzer zuerst einmal lernen, die Qualität der Inhalte zu bewerten. Tun sie das nicht, werden sie von der Informations­flut regelrecht zugemüllt.

Medienkompetenz

Die Fähigkeit, sich im Daten-Chaos zurecht­zufinden, wird ganz allgemein Medien­kompetenz genannt. Ein Fach, dass in den Schulen eine immer größere Rolle spielen wird. Gemeint ist die Fähigkeit, sich im Datenchaos zurecht zu finden und schnell und zuverlässig an die gewünschte Information heranzukommen, ohne dabei desinformiert zu werden. Das wichtigste Werkzeug: die Volltextsuche. Wenn ich Zeit habe, werde ich zu diesem Thema einmal einen eigenen Artikel verfassen.

die Welt wird kollaborativ

Dann sind da noch all die Foren, Blogs, Wikiwebs, kollaborativen Netze, Rating-Umfragen, Like-Buttons, Reviews und Kommentar-Funktionen, die dafür sorgen, dass aus dem Leser ein Autor wird und umge­kehrt.

Alles wird bewertet, und das ist auch gut so. Denn diese Bewertung hilft anderen Menschen, sich im Internet zurecht zu finden. Man könnte auch sagen, das Internet fördert die Demokratie und stellt darüber hinaus sicher, dass man auch Zugriff auf Informationen erhält, die sonst nicht verfügbar wären, weil sie nicht lukrativ oder ideologisch fragwürdig sind.

Fakenews und Verschwörungstheorien

Und schon sind wir beim Thema Fake-News und Ver­schwörungs­theorien angelangt, die ich persönlich als Bereicherung empfinde. Denn viele dieser Nachrichten beschäftigen sich inhaltlich mit Themen, mit denen ich mich vorher sonst nie beschäftigt hätte.

Jetzt weiß ich beispielsweise, dass die Amerikaner tatsächlich auf dem Mond waren. Chemtrails sind erklärbar und UFO's sind immer noch ein Mysterium. Und ich weiß jetzt, dass Deutschland ein Vasallenstaat ist, kontrolliert von den Amerikaner, denen man ganz offensichtlich ebenso wenig trauen kann, wie den Russen. Sie lachen vielleicht, aber darüber habe ich mir vorher nie Gedanken gemacht.

am Ende siegt die Bildung

Wie auch immer, das vermittelte Wissen wird den engagierten Laien am Ende auf dieselbe Ebene stellen, wie den Akademiker, wenn er das möchte. Den Leistungsnachweis erhält er auf Wunsch über Fernunis, die ebenfalls über das Internet erreichbar sind.

So kann sich der Arbeitgeber modular auf jene Bereiche speziallisieren, die für ihn wirklich wichtig sind, ohne den ganzen Overhead, der sonst dazu gehört. Man mag es gut finden, oder nicht, aber bald schon werden die klassischen Berufsbilder der Ver­gangenheit angehören. Als breitbandig interessierter Mensch finde ich das überaus begrüßenswert.

das Internet von morgen

Stellen Sie sich einmal vor, wie Ihr Leben in ein paar Jahren aussehen wird, wenn die Entwicklung ähnlich rasant voran geht, wie sie es in den letzten Jahren getan hat. Ein paar Optionen zeichnen sich bereits am Horizont ab, die wichtigste zuerst:

künstliche Intelligenzen

Die Suchmaschinen werden dank künstlicher Intelligenz immer intelligenter (Stichwort Deep Learning). Bald schon können Anfragen wie diese gestellt werden, selbstverständlich nicht getippt, sondern gesprochen:

"Liebe Suchmaschine, such mir alle wichtigen Informationen über russische Zwergpudel und fasse alles in einem zweiseitigen Bericht zusammen, in der üblichen Schriftart, bitte auf französisch und italienisch. Vielen Dank.".

Solch eine Fragestellung erzeugt naturgemäß eine weitaus höhere Informationsdichte, als wir sie derzeit gewohnt sind. Das wird langfristig dazu führen, dass sich der Bildungsstand der Menschen deutlich verbessern wird. Und das auch in Ländern, in denen die Bewohner bisher keinen Zugang zu Bildung hatten. So können auch ärmere Menschen bald mit gebildeten Fachkräften aus dem Westen konkurrieren, was den wirtschaftlichen Wettbewerb begünstigen wird. Dies wird unter anderem dafür sorgen, dass niemand mehr Hunger leiden muss, was super ist.

die Hardware wird immer kleiner

Um ins Internet zu kommen, verwandte man einst eine klobige Kiste, die man Personal Computer nannte. Diese wurden nach und nach von Laptops verdrängt. Nicht mehr lange, dann werden diese von Smartphones mit Docking Stations ersetzt werden. Später werden Brillen folgen, welche die Inhalte direkt auf die Netzhaut projezieren, so wie Google Glasses, nur besser.

Technologien wie VR und Augmented Reality werden dafür sorgen, dass das Internet immer mehr ein integraler Bestandteil unserer Welt sein wird, auf den wir nicht mehr verzichten wollen. Vielleicht wird es irgendwann einmal sogar Implantate geben, welche das menschliche Gehirn direkt mit dem Internet verdrahten werden, wer weiß? Dann müssen Suchanfragen nicht mehr formuliert, sondern gedacht werden. Auch eine schöne Vorstellung.

die Adaption der neuen Technologien

Wie jede neue Technologie wird natürlich auch diese zu immer wiederkehrenden kontroversen Diskussionen führen. Einige laufen bereits. Man denke da nur an den Datenschutz, das Copyright, das Darknet, die Krypto­währungen und natürlich die Fake-News. Im schlimmsten Fall wird das Internet zensiert oder partiell verboten.

Allerdings werden solche Maßnahmen nie lange andauern, weil die Menschen die Vorzüge einer vernetzten Welt bereits kennen­gelernt haben und nicht mehr darauf verzichten wollen. Abge­sehen davon wird im Internet inzwischen soviel Geld verdient, dass ein Verbot einer Region mittelfristig schaden würde. Doch es wird immer wieder Menschen geben, welche bestimmte Inhalte nicht zugänglich machen wollen. Aber so sind sie nun mal, die Menschen, bekloppt, aber liebenswert.

ein Argument für den Weltfrieden

Ein schöner Nebeneffekt: Durch die Vernetzung spielen Distanzen keine Rolle mehr. Dadurch wird der Umgang mit anderen Kulturen alltäglich werden. Mit der Zeit wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass die Bewohner anderer Länder auch mit Wasser kochen, so wie wir. Und sie sind auch nicht dümmer oder schlauer. Wenn sie eine Gefahr darstellen, dann nur, weil ihnen Bildung fehlt.

Das bedeutet, wir werden endlich aufhören, die Menschen aus anderen Ländern zu fürchten. Und das ist gut so, denn niemand führt Krieg gegen jemand, den er nicht fürchtet. Und wenn Amerika Feindbilder schafft, um Rohstoffkriege zu legitimieren, bleiben die wahren Motive im Internet nicht lange verborgen. Wer also an Frieden interessiert ist, sollte die Nutzung des Internets fördern, wo er kann. Das ist wichtiger, als die Wahl eines guten Politikers.

Natürlich wird das Internet unsere Welt ein großes Stück komplizierter machen, das ist klar. Denn das liegt in der Natur von jedem Fortschritt. Und um den geht es in dieser Welt, sowohl biologisch, als auch geistig. So gesehen ist das Internet das Beste, was den Menschen passieren konnte. Nicht mehr lange und wir dürfen dem dunklen analogen Zeitalter für immer Lebewohl sagen. Ich freu mich darauf.

Im Mai 2017